Mein Artikel in "Der Versandhausberater Spezial: E-Commerce im Versandhandel" - Titel: "Die Rolle von Webservices (WSDL) und Service Oriented Architecture (SOA) im Multi-Channel-Handel"
22. September 2008von admin
Ausgangslage: Chaos in den IT-Landschaften
Kriegsentscheidend für alle Multi-Channel-Händler wird in Zukunft der reibungslose Informationsfluss und die Koordination geschäftsrelevanter Daten aus allen Verkaufskanälen sein. Die meisten Multi-Channel-Händler sind diesbezüglich heute noch nicht gut darauf eingestellt. Das liegt nicht daran, dass man das Thema dort verschlafen hat.
Das liegt daran, dass die gewachsenen IT-Infrastrukturen in den meisten Unternehmens aus unterschiedlichen Systemen verschiedener Hersteller und Technologien bestehen. Jedes dieser Systeme hat in seinem Einsatzgebiet eine Daseinsberechtigung bzw. ist historisch gewachsen, was bedeutet, dass zu unterschiedlichen Zeiten die jeweils damals modernste Version eingebaut wurde. Ein gemeinsamer Nenner an technologischer Basis fehlt zumeist, was in der Natur der Sache liegt. Eine Integration oder auch Interaktion dieser Systeme fehlt in vielen Unternehmen teilweise oder gänzlich, verselbständigt sich und verhindert daraus resultierende Synergieeffekte. Folge sind teure nur einmal einsetzbare individuelle Schnittstellen-Programmierungen, wo oft kaum Dokumentation vorhanden ist und der einzige, der sich damit auskennt der Programmierer selbst ist.
Das schlimmste jedoch sind nicht die IT-Kosten im Zusammenhang mit der Schnittstellenprogrammierung – das schlimmste ist der Zeitverlust und das schleichende Abdriften der IT-Architektur in ein unüberschaubares Moloch an Systemen.
Gleichzeitig erfordern die ständig neuen Anforderungen des Marktes eine Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, was wiederum neue IT-Entwicklungen erfordert. Ist IT nicht flexibel, kann sie hier zum Wachstumshemmnis eines Unternehmens werden. Der alle paar Jahre stattfindende Entwicklungsschub in der Softwareentwicklung, der Unternehmen in ihrer Leistungsfähigkeit voran treibt und effizienter macht, kann im schlimmsten Fall nicht mehr wahrgenommen werden.
Aus der Praxis: Uns sind Unternehmen bekannt, die haben aufgrund des Einsatzes von individueller Software aus den 90er Jahren bis zu einem Jahr an Schnittstellen programmieren müssen für Anforderungen, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Schnittstellen nicht mehr relevant waren. Oder: Eine Firma unterhält 4 (!) Kundendatenbanken und man traut sich im Prinzip nicht, diese Kundendatenbanken zu einer zu verschmelzen, weil man unsicher ist, ob Software das leisten kann bzw. wie die daran hängenden Systeme reagieren.
Am auffallendsten sind jedoch die suboptimalen bzw. fehlenden Schnittstellen in den Bereichen Webshop, Data Warehouse, Medienproduktion (Katalog) – hier gibt nur sehr wenige (oder gar keine?) Unternehmen, deren IT voll integriert ist.
Die Lösung Webservices: Der gemeinsame Nenner aller Unternehmen
Das Internet hat sich nicht nur als transparenter Wissens- und Interaktionskanal für Menschen etabliert, sondern stellt auch technologisch den „gemeinsamen Nenner“ der IT-Welt dar. Das http-Protokoll ist durch Einführung des World-Wide-Webs die gemeinsame Sprache geworden.
Der Begriff "Web" im Begriff „Webservices“ bedeutet, dass das HTTP-Protokoll benutzt wird und ein Webserver als Serviceanbieter dient, weil in den meisten Unternehmen viele Ports anderer Schnittstellen und Protokolle gesperrt sind. Webservices sind heute immer mehr die konkrete Umsetzung einer SOA, weil sie ein Standard des Datenaustauschs ist, den jeder kennt und bedienen kann.
Das meistverwendete Anwendungsprotokoll, mit dessen Hilfe die Daten zwischen den verschiedenen Systemen ausgetauscht werden, ist SOAP, ein XML-Derivat (Weiterentwicklung von XML-RPC). Um WebServices zu beschreiben, wird WSDL (Web Services Description Languange) verwendet, was wiederum ein XML-Derivat darstellt. Diese Datei beinhaltet die Lage der Services, die verfügbaren Services, die benötigten Parameter, die Rückgabewerte, die benutzten Protokolle.
Was man heute mit Webservices schon alles machen kann
Auch unsere Firma MOS-TANGRAM wird seit Anbeginn ihres Bestehens mit dem Thema nahezu täglich konfrontiert. Früher dadurch, dass in unserer Entwicklung unsere Leute pausenlos Schnittstellen programmierten. Im Vertrieb, dass wir oft feststellten, dass die Schnittstellenprogrammierung oft teurer ist, als die komplette Software inklusive Installation. Bei grossen Unternehmen war/ist das oft egal, weil sie dran gewöhnt sind (was nicht heisst, dass sie froh darüber sind). Aber bei kleinen und mittleren Unternehmen ist es schwer zu vermitteln, dass eine Software zum Beispiel 100.000 Euro kostet und die Schnittstellen zu anderen Systemen auch 100.000 Euro. Deshalb haben wir uns seit 2001 mit voller Kraft in das Thema „Webservices“ gestürzt mit dem Kalkül, dass unsere Lösung „so offen wird“, dass sich unserer Kunden selber an unser System anschliessen können auf Grundlage eines IT-Wissens, der Standard ist (Webservices). Wir dachten zuerst, das schaffen wir in einem Jahr. Wir stellten fest, dass wir 5 Jahre (!) gebraucht haben, das Thema wirklich zu beherrschen – aber das tun wir jetzt und darauf sind wir schon auch ein bisschen stolz.
Unsere Software unterstützt somit heute nicht nur die marktführenden und open source Betriebssysteme, Application Services und Datenbanken, sondern sie erlaubt unseren Kunden auch, unsere Software in ihre heterogenen IT-Infrastrukturen zu integrieren, zum Beispiel für den online realtime Datenaustausch:
- Webshop (Aufträge, Bestände usw.)
- Lager (Funkscanner)
- data warehouse (Business Objects)
- Katalogerstellung (PIM)
- Wareneingang (OpenOrder)
- externe Adress-, Kredit und Bonitätsprüfungen.
Die Services können wahlweise als Webservice entsprechend der WSDL-Spezifikation oder als Dedicated-Service angepasst und für die lokale oder entfernte Integration bereit gestellt werden.
Wir sind heute stolz darauf mit unseren Kunden nicht nur das Thema anzugehen, sondern, dass wir schon sehr weit damit sind auch bei besonders herausfordernden Aufgaben. Wir haben es geschafft, 100.000 Bestellungen an einem Tag aus einem Webshop-System in unserem System über unsere Webservices zu verarbeiten.
Webservices sind nicht unschuldig beim Mega-Trend E-Commerce
Haupteinsatzbereich von webservices ist der E-Commerce. Man kann fast sagen, dass Webservices ein wichtiger „Enabler“ beim E-Commerce-Boom darstellen. Hier geht es in erster Linie darum, möglichst reibungslos Bestellungen verarbeiten zu können, wobei hier der realtime Warenbestands-Datenaustausch relevant ist bei immer mehr Aktionsgeschäft, Promotions, Happy Hours, Gutscheine und 24h-Lieferzusagen. Durch Online-Marketing lassen sich Bestellströme steuern und es ist wichtig das ERP und Webshop „ein System“ sind.
Gerade hier ist eine massive Trendumkehr zu beobachten: Während in den letzten Jahren die Webshop-Systeme immer mehr Funktionalität erhielten und sozusagen ein zweites Backendsystem darstellten (weil es keine gute Verbindung per Webservices zum ERP-System gab) und oft doppelte Datenhaltung notwendig war (Redundanzen), ermöglichen Webservices jetzt, dass die Funktionalitäten aus dem ERP-System ins Frontend (Webshop) übertragen werden können. So können aus dem ERP-System heraus alle notwendigen Funktionalitäten in den Webshop übertragen werden, so dass man sich im Webshop auf die Grundfunktionalitäten konzentrieren kann (Verkaufen).
Zum anderen sollen möglichst viele Prozesse in der Kundenkommunikation automatisch abgewickelt werden (z.B. Benchmark Amazon, wo es keine Telefonhotline mehr gibt). Es geht hier schlichtweg darum, Kosten bei der traditionellen Kundenbetreuung (Callcenter, Kundendienst) einzusparen, was auch aufgrund schwindender Margen in vielen Branchen überlebenswichtig ist. Auch würden sich viele Multi-Channel-Händler sicher über steigende Deckungsbeiträge freuen.
Dieser „Self-Service“-Gedanke ist nur zu erreichen, indem Kundeninformationen aus dem ERP-System (auch historisch) im Webshop realtime abgebildet werden und Geschäftsprozesse, die früher durch Anruf erledigt wurden, der Endkunde selber im Webshop erledigt.
Aber Achtung: Konsequenzen durch Webservices
Durch den Einsatz von Webservices verlagert sich der Datenverkehr in Richtung Webserver. Hier muss man jetzt kostenmässig aufpassen: Hardware selber ist nicht das Thema, die Maschinen werden immer leistungsfähiger und preiswerter. Das Thema vielmehr sind Software-Lizenzen. Viele Unternehmen bauen zur Sicherheit für den Fall des Hardware-Ausfalls zwei Komplett-IT-Hardware-Systeme auf. Für den Fall, dass ein System ausfällt, soll ein zweites System „realtime“ die Aufgaben des ersten Systems übernehmen. In diesen Fall müssen doppelte Software-Lizenzen angeschafft werden, was zur Kostensteigerung führen kann. Es ist also zu empfehlen sich dieser Tatsache bewusst zu sein, um bei Verhandlungen früh genug Einfluss nehmen zu können.
Eine andere Möglichkeit ist, ein Rechenzentrum zu finden, das dem Unternehmen zwar ein zweites System vorhält für den Fall des Ausfalls des ersten Systems, aber ohne doppelte Software-Lizenzen anschaffen zu müssen. Das geht, indem das Unternehmen eine sogenannte PAN-Architektur (Processing Area Network) einsetzt, wobei allerdings eine Ausfallzeit von ca. 15 Minuten in Kauf zu nehmen wäre.
Tags: SOA, webservices
